Filmarchiv
Schönecker
Köln


Die Sammlung Leo Schönecker. Eine Filmreihe mit Filmen aus dem Archiv Schönecker. 30. Mai – 12. Dezember 2026

Die Sammlung Leo Schönecker

Ein Filmprogramm mit Filmen aus dem Archiv Schönecker


30. Mai – 12. Dezember 2026

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Veranstalter


Julia Schönecker-Roth
Joachim Steinigeweg


Kontakt


Joachim Steinigeweg
Alteburger Str. 113
50678 Köln


Veranstaltungsorte


Filmforum im Museum Ludwig
Bischofsgartenstr. 1
50667 Köln
www.filmforumnrw.de

Traumathek
Engelbertstraße 45
50674 Köln
www.traumathek.de


Eintritt


8,00 € / 7,00 € ermäßigt
Karten an der Kinokasse


Vorwort


Weitgehend unbekannt in der Öffentlichkeit existiert in Köln eine Filmsammlung, die hohen Wert auf die Qualität der enthaltenen Filme legt und einen weiten Überblick über das internationale Filmschaffen bietet.

Seit Mitte der Fünfziger Jahre engagierte sich der Kölner Leo Schönecker nicht nur in Arbeitskreisen und Diskussionsrunden zu filmthematischen Fragen, sondern er begann, selbst Filme zu sammeln, vorzuführen und zu verleihen. Seine Sammlung wurde bis zu seinem Tod im Jahr 2013 beständig fortgeführt und erweitert.

Unter Filmkennern und Kuratoren war die Sammlung bekannt, gerne griff man auf die Bestände dort zurück. Insgesamt enthält das Archiv rund 1.000 Filme, meistens im Format 16 mm, etliche im Format 35 mm. Neben bekannten Titeln finden sich in der Sammlung seltene und unbekannte Filme, die selten öffentlich vorgeführt wurden.

Um dies nachzuholen, setzen wir nun schon im zehnten Jahr die Filmreihe zur Sammlung Leo Schönecker an zwei Spielstätten fort, im Filmforum im Museum Ludwig und in der Traumathek. Im Programm sind einige Klassiker der Filmgeschichte, die es lohnt, immer wieder anzusehen, aber auch Raritäten. Die Vorführungen werden von Referenten begleitet, die in den Film einführen.

In den Kinos hat seit einigen Jahren die Digitalisierung Einzug gehalten. Eine Vorführung von „richtigem“ Zelluloid hat inzwischen Ereignischarakter. Bei der Vorführung von Zelluloid gibt es Artefakte, die jede Kopie einzigartig machen. Es sind diese Gebrauchsspuren wie Schmutzpartikel, Kratzer, Bildstandsbewegungen etc. In jede Filmkopie ist somit auch die Geschichte ihrer Aufführungen mit eingeschrieben. Auch diesen Aspekt wollen wir vorstellen und die Vor- und Nachteile digitaler und analoger Vorführungen sichtbar machen.


Programm


▾ ▸ Samstag, 30. Mai 2026, 20.00 Uhr, Filmforum: Frank Beyer, „Karbid und Sauerampfer“
„Karbid und Sauerampfer“
DDR 1963, Regie: Frank Beyer, 85 Min., 16 mm

Nach Kriegsende macht sich der Dresdner Arbeiter Kalle Blücher auf den Weg nach Wittenberge, weil dort noch Vorräte an Karbid lagern, die zum Wiederaufbau seiner Arbeitsstätte, einer Zigarettenfabrik dringend benötigt werden. Sieben Fässer kann er ergattern, doch der Rückweg gestaltet sich schwierig – per Anhalter, da er kein Transportmittel hat. Die sympathische Karla nimmt ihn ein kurzes Stück in ihrem Fuhrwerk mit. Am liebsten würde er bei ihr bleiben, aber erst muss er seinen Auftrag erfüllen.

So beginnt für Kalle eine abenteuerliche Reise quer durch das zerstörte Deutschland. Unterwegs begegnet er ganz unterschiedlichen Menschen, darunter Soldaten der Besatzungsmächte, misstrauische Zivilisten und hilfsbereite Fremde. Immer wieder gerät er in komische oder brenzlige Situationen, aus denen er sich mit Einfallsreichtum und Humor befreien muss. Am Ende kommt er zwar nur mit einem Teil des Karbids zurück, doch das reicht aus, um den Wiederaufbau zu ermöglichen.
▾ ▸ Samstag, 6. Juni 2026, 20.00 Uhr, Filmforum: Edgar Reitz, „Stunde Null“
„Stunde Null“
BRD 1977, Regie: Edgar Reitz, 112 Min., 16 mm

Wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ziehen sich die amerikanischen Truppen aus Thüringen und Sachsen zurück, obwohl sie die Gebiete zuvor besetzt hatten. Stattdessen rücken sowjetische Soldaten ein, was unter der Bevölkerung große Angst vor Plünderungen und Gewalt auslöst. Der ehemalige Hitlerjunge Hans streift wie viele Jugendliche orientierungslos durch das zerstörte Land. Sein Traum von einem Bündnis zwischen Deutschen und Amerikanern ist zerplatzt. Jetzt möchte er einen angeblichen Nazi-Schatz auf dem Friedhof von Möckern finden und anschließend mit seinem Wehrmachts-Motorrad in den Westen fahren. Doch die Wirklichkeit holt ihn ein: Die Russen nehmen ihm bereits seine Waffe und das Motorrad ab. Als Hans schließlich auf eine amerikanische Militärstreife trifft, verliert er nicht nur seinen Schatz und seine geliebte Fliegerjacke, sondern auch die junge Isa, zu der er sich hingezogen fühlt. Am Ende bleibt Hans allein enttäuscht zurück, und die erhoffte „Stunde Null“ erweist sich als Illusion statt als echter Neuanfang.
▾ ▸ Samstag, 25. Juli 2026, 20.00 Uhr, Filmforum: Frank Perry, „David und Lisa“
„David und Lisa“
USA 1962, Regie: Frank Perry, 92 Min., 16 mm, dt. Fassung

„David und Lisa“ erzählt die berührende Geschichte zweier emotional tief verletzter Jugendlicher, die in einer psychiatrischen Heilanstalt aufeinandertreffen. Der Film basiert auf dem Roman des Psychoanalytikers Theodore Isaac Rubin und gilt als eines der ersten Werke, das psychische Erkrankungen bei Jugendlichen sensibel und ohne dramatische Überhöhung darstellt. David, ein hochintelligenter junger Mann, leidet unter extremer Angst vor menschlicher Berührung – eine Metapher für seine emotionale Isolation und das Unvermögen, Nähe zuzulassen. Lisa zeigt Anzeichen einer multiplen Persönlichkeitsstörung und wechselt zwischen zwei Identitäten: einer kindlich verspielten, in der sie nur in Reimen spricht und einer aggressiven, abweisenden, in der sie schweigt. Während die Erwachsenen und Psychologen hilflos und unverständig wirken, findet David in Lisa eine Person, die seine Ängste nicht verurteilt, und Lisa fühlt sich von David ernst genommen. Die zurückhaltende Kameraführung unterstreicht dabei die innere Zerrissenheit der Figuren ebenso wie ihre hoffnungsvolle Annäherung.
▾ ▸ Donnerstag, 13. August 2026, 20.00 Uhr, Traumathek: Jean-Luc Godard, „Die Geschichte der Nana S. – Vivre sa vie“
„Die Geschichte der Nana S. – Vivre sa vie“
Frankreich 1962, Regie: Jean-Luc Godard, 91 Min., DVD

Jean-Luc Godards „Vivre sa vie“ bricht bewusst mit klassischen Erzählmustern und gliedert die Geschichte der jungen Nana in zwölf epische Kapitel. Die Protagonistin, gespielt von Godards damaliger Ehefrau Anna Karina, verlässt Mann und Kind, um in Paris ein unabhängiges Leben zu führen. Ihr Traum ist es, Schauspielerin zu werden. Sie scheitert jedoch an der harten Realität und rutscht aus wirtschaftlicher Not in die Prostitution ab. Ihre Begegnung mit einem Philosophiestudenten führt ihr die Unmöglichkeit vor Augen, das eigene Leben wirklich zu leben und die Kontrolle über ihre eigenen Entscheidungen zu haben. Eine Schlüsselsequenz ist die Szene, in der Nana Carl Theodore Dreyers „Passion der Jeanne d’Arc“ im Kino sieht und Godard durch die Montage der Gesichter eine Verbindung zwischen den Schicksalen der beiden Frauen herstellt. Nana erlebt kurze Momente der Freiheit, doch ihre Versuche, dem Milieu zu entkommen, scheitern letztlich an der brutalen Wirklichkeit der Zuhälterszene.
▾ ▸ Samstag, 05. September 2026, 20.00 Uhr, Filmforum: Charles Crichton, „Das Glück kam über Nacht“
„Das Glück kam über Nacht“
Großbritannien 1951, Regie: Charles Crichton, 78 Min., 16 mm, dt. Fassung

Alec Guiness spielt in dem Nachkriegsklassiker der legendären britischen Ealing Sudios den schüchternen, gewissenhaften Bankangestellten Henry Holland. Seit Jahren überwacht er die Transporte von Goldbarren der Bank von England mit großer Zuverlässigkeit. Doch die verdiente, anstehende Beförderung würde seine insgeheim geschmiedeten Pläne für einen großen Coup zunichte machen. Schnelles Handeln ist gefragt und so kommt ihm der neue Nachbar, der Souvenir-Produzent Alfred Pendlebury, gerade recht. In seiner Werkstatt werden die geraubten Goldbarren zu handlichen Eiffeltürmen gegossen und als scheinbar günstige Andenken nach Frankreich verschickt, um dort im Lagerraum eines Souvenirladens auf Holland und Pendlebury zu warten. Der Coup gelingt, doch dann werden die Türmchen ausgerechnet an ahnungslose englische Schulmädchen verkauft... Die Handlung besticht durch ihren trockenen britischen Humor und die Dynamik zwischen den beiden unterschiedlichen Protagonisten, die trotz ihrer kriminellen Absichten sympathisch wirken.
▾ ▸ Samstag, 24. Oktober 2026, 20.00 Uhr, Filmforum: Arthur Robison, „Schatten – Eine nächtliche Halluzination“
„Schatten – Eine nächtliche Halluzination“
Deutschland 1923, Regie: Arthur Robison, 87 Min., 16 mm, stumm

Im Mittelpunkt des expressionistischen Stummfilms „Schatten – Eine nächtliche Halluzination“ steht ein wohlhabendes Ehepaar, dessen Beziehung von Eifersucht und Misstrauen geprägt ist. Die reizvolle, verführerische Ehefrau wird gleich von mehreren Verehrern umworben, was den Argwohn ihres Mannes noch verstärkt. Während eines Abendessens mit diesen Männern spitzt sich die angespannte Stimmung zu. Ein geheimnisvoller Schausteller tritt auf und versetzt die Gesellschaft mit seinem Schattenspiel in eine Art hypnotischen Zustand. In diesem Traum erleben die Anwesenden, wie sich ihre unterdrückten Gefühle und Ängste in dramatischen Bildern entfalten. Verzerrte Perspektiven und Schatten an den Wänden werden dabei zu Ausdrucksträgern ihrer inneren Konflikte. In der Halluzination steigert sich die Eifersucht des obsessiven Ehemanns bis zur Gewalttat. Als die Vision endet, erkennen die Figuren die zerstörerische Kraft ihrer Leidenschaften.

Die Vorführung wird vom Stummfilmpianisten Wilfried Kaets begleitet.
▾ ▸ Donnerstag, 29. Oktober 2026, 20.00 Uhr, Traumathek: Nicholas Roeg, „Wenn die Gondeln Trauer tragen“
„Wenn die Gondeln Trauer tragen“
Italien, Großbritannien 1973, Regie: Nicholas Roeg, 105 Min., 16 mm, dt. Fassung

Nach dem tragischen Tod ihrer kleinen Tochter reist das Ehepaar John und Laura Baxter nach Venedig. Mit dem Auftrag zur Restaurierung einer Kirche hoffen sie auf Ablenkung und Bewältigung ihrer Trauer. In einem Café begegnet Laura zufällig zwei älteren Damen, von denen eine behauptet, hellseherische Fähigkeiten zu besitzen. Sie will Kontakt mit der verstorbenen Tochter aufgenommen haben und warnt John vor einer drohenden Gefahr. John jedoch bleibt rational und skeptisch, während Laura Trost in der spirituellen Botschaft findet. Zwischen den Eheleuten entsteht eine zunehmende Entfremdung, die ihre ohnehin fragile Beziehung weiter belastet. In der geheimnisvollen, labyrinthischen Atmosphäre Venedigs wird John von Visionen und Vorahnungen heimgesucht, die sich zunehmend mit der Realität vermischen. Immer wieder taucht die rätselhafte Gestalt eines Kindes im roten Mantel auf, die John zu verfolgen beginnt. Durch eine raffinierte Montagetechnik und Vorausdeutungen spielt der Film mit Wahrnehmung und existentieller Angst und wird zum Meisterwerk des psychologischen Horrors.
▾ ▸ Donnerstag, 12. November 2026, 20.00 Uhr, Traumathek: Jeromil Jireš, „Der Schrei“
„Der Schrei“
Jaromil Jireš, Regie: Jeromil Jireš, 85 Min., 16 mm, dt. Fassung

Das Spielfilmdebüt „Der Schrei“ von Jaromil Jireš gilt als ein früher Beitrag zur tschechoslowakischen Neuen Welle. Der Film begleitet einen einzigen Tag im Leben des jungen Paares Ivana und Slávek in Prag Anfang der 1960er Jahre. Ivana steht kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes und wird ins Krankenhaus gebracht. Während sie auf die Entbindung wartet, reflektiert sie in Rückblicken ihre Beziehung zu Slávek, ihre Erwartungen und ihre Zweifel. Parallel dazu geht Slávek seiner Arbeit als Fernsehmechaniker nach, was einen Einblick in die verschiedenen sozialen Milieus ermöglicht. Zwischendurch trifft er Freunde und streift scheinbar ziellos durch die Stadt. Eingeblendete Wochenschauaufnahmen spiegeln die moderne Stadtlandschaft, aber auch die gesellschaftliche Unsicherheit der Zeit. Am Ende steht die Geburt des Kindes als Wendepunkt, der Hoffnung und Ungewissheit zugleich in sich trägt. „Der Schrei“ erhielt 1964 in Cannes den Sonderpreis für die beste Erstlingsregie.
▾ ▸ Samstag, 14. November 2026, 20.00 Uhr, Filmforum: Volker Schlöndorff, „Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“
„Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“
BRD 1971, Regie: Volker Schlöndorff, 102 Min., 16 mm

Volker Schlöndorffs Film „Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“ basiert auf der Chronik einer wahren Begebenheit: Im Mai 1822 überfallen in Oberhessen acht Bauern und Tagelöhner den kurfürstlichen Geldtransport, der regelmäßig mit Steuergeldern unterwegs ist. Verheerende Missernten und hohe Abgaben haben sie und ihre Familien ins Elend gestürzt und empfänglich gemacht für den Plan des fliegenden Händlers Briel zu dem fatalen Raub, der nach zahlreichen Fehlversuchen schließlich gelingt. Sie wollen ihre Heimat nicht verlassen wie viele andere Auswanderer, die im Film zitiert werden, sondern sich mit dem Geld lang ersehnte Wünsche erfüllen. Doch das macht sie schon verdächtig; die Tat wird schnell aufgeklärt und mit brutalen Hinrichtungen geahndet. Gedreht wurde an Originalschauplätzen im Odenwald und in der Wetterau, ohne aufwändige Kulissen. Neben professionellen Darstellern spielten viele Laien aus der Region mit. Ihr hessischer Dialekt und Zitate aus historischen Quellen erhöhen die Authentizität der Darstellung.
▾ ▸ Samstag, 12. Dezember 2026, 20.00 Uhr, Filmforum: William A. Wellman, „Wings“
„Wings“
USA 1927, Regie: William A. Wellman, 139 Min., 16 mm, stumm

Die Handlung spielt während des Ersten Weltkriegs und erzählt die dramatische Geschichte der beiden amerikanischen Piloten Jack und David. Einst Rivalen um die Gunst der schönen Sylvia werden sie im Krieg zu engen Freunden. Ihre Freundschaft nimmt ein tragisches Ende, als Jack in einem Luftkampf versehentlich David abschießt – eine Szene, die durch die realistisch inszenierten Flugaufnahmen besonders erschütternd wirkt. Die spektakulären Luftkämpfe wurden ohne Studio-Tricks gedreht, denn Wellman, selbst ehemaliger Kriegsflieger, bestand auf absoluter Authentizität und setzte die Schauspieler echten Gefahren aus. Die Dreharbeiten mit über 300 Piloten und originalen Flugzeugen machten „Wings“ zu einem technischen und logistischen Meisterwerk. Neben der Action bietet der Film aber auch eine Romanze: Jacks Nachbarin Mary, gespielt von der damals berühmten Clara Bow, meldet sich aus Liebe zu ihm als Krankenschwester an die Front, wo sie schließlich zusammenfinden. Das packende Anti-Kriegsdrama gewann 1929 den erstmals ausgelobten Oscar für den besten Film.

Die Vorführung wird vom Stummfilmpianisten Wilfried Kaets begleitet.


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Gefördert durch: Stadt Köln, Kulturamt